Gemeinde Chronik

Hergehört und mitgedacht – Beobachtungen und Ereignisse aus 80 Jahren der Gemeinde Neubrandenburg.
Zusammengetragen von Helmut und Martin Raedel

1948

Die erste Veranstaltung und damit der Beginn der Gemeindearbeit der Methodistenkirche in Neubrandenburg war eine Bibelstunde unter Leitung eines Reisepredigers am 16. März 1948 in der Schwedenstraße 16. Aufgabe des Reisepredigers (sein Name geriet leider in Vergessenheit) war das Auffinden, Besuchen und Sammeln von Methodisten, die durch den Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen mussten. Zu den Besuchten gehörten Hedwig Manthey sowie ihre Tochter Gerda und Ehemann Karl Grönow, die aus Schneidemühl kamen und nun in der Schwedenstraße 16 ein Zimmer bewohnten. Neben Freunden der gastgebenden Familie nahmen noch Erich und Marta Raedel, Else Rachow sowie Anna Zinow an dieser ersten Bibelstunde teil. Familie Raedel wohnte bereits seit 1933 in Neubrandenburg, gehörte jedoch weiterhin zur Berliner Methodistengemeinde Rügener Straße. In ihrem mecklenburgischen Wohnort hielt sie sich zur Landeskirchlichen Gemeinschaft, wo Erich Raedel als Organist und Chorleiter wirkte und die fünf Söhne die Sonntagsschule besuchten. Wie zu hören war, bildeten sie den ersten methodistischen „Chor“ in der Vier-Tore-Stadt. Natürlich hatte man noch keine Gemeinderäume und auch keinen „eigenen“ Pastor. So wurden in den Wohnungen der Familien Grönow und Raedel von Aufsichtspredigern (wie Pastor Erwin Brose) oder Laien Gottesdienste und Bibelstunden gehalten. Die erste Vierteljahreskonferenz (vergleichbar der heutigen Bezirkskonferenz) konstituierte sich am 27. Oktober 1949 unter Vorsitz von Superintendent Dr. Ernst Scholz. Damals gehörten zum Gemeindebezirk bereits „Stationen“ (Güstrow, Neustrelitz, Quadenschönfeld) und es wurden nach altem methodistischen Vorbild „Klassen“ (heute als Hauskreise bezeichnet) eingerichtet.

1958

Wie viele Glieder die Neubrandenburger Gemeinde im zehnten Jahr ihres Bestehens hatte, lässt sich nicht mehr feststellen. Dokumentiert ist jedoch, dass der durchschnittliche Gottesdienstbesuch bei 20 Personen lag, davon waren zehn Kirchenglieder. Seit 1953 fanden die methodistischen Gottesdienste in der St. Georgs-Kapelle statt. Da dort keine Lichtanlage vorhanden war, wurde der Innenraum mit Benzinlampen beleuchtet. Außerdem wurde ein Ofen für die Kapelle gekauft. Den pastoralen Dienst versahen 1957/58 Hermann Ott aus Neuruppin als Aufsichtsprediger und Johannes Kapries aus Schwerin. Vertretungsweise hielt Karl Grönow Gottesdienste und Bibelstunden. Als „Ermahner“ machte er mehrere Besuche bei Geschwistern, die sich längere Zeit zurückgezogen hatten oder nur unregelmäßig die Versammlungen besuchten. Neben ihm waren die Klassführer und Verwalter Erich Raedel (zugleich Chordirigent) und Walter Rousseau (Quadenschönfeld) als „Ermahner“ ehrenamtliche Prediger. Mitglied der Vierteljahreskonferenz war auch Marta Raedel als Leiterin des Frauendienstes, dessen Arbeit 1958 ruhte. Aber erstmalig ist davon die Rede, dass am Weltgebetstag Frauen zum Gebet zusammenkamen. Zur Vierteljahreskonferenz am 9.2.1958, die nach einem abendlichen Gottesdienst unter Vorsitz von Superintendent Bernhard Vogelsang aus Berlin tagte, wurde für die Arbeit im Bezirk angeregt, einen eigenen Gemeinderaum durch Kauf einer Ruine zu schaffen. Dafür sollte in einigen Gemeinden der mitteldeutschen Konferenz bei Gelegenheit um Hilfe gebeten werden. Außerdem wurde die Besetzung des Bezirkes Neubrandenburg durch einen Gehilfen in Aussicht gestellt. Noch im selben Jahr übernahm Gunter Behnke als „Hilfsgeistlicher“ den Predigtdienst in Neubrandenburg und die Betreuung der Geschwister in der Diaspora.

1968

Seit 1966 hat die Gemeinde endlich einen eigenen Pastor und ein Pastorat in der Katharinenstraße 56, wo für Siegfried Rex, der bereits seit 1963 von Rostock aus Neubrandenburg mitbetreute, eine Wohnung angemietet werden konnte. Ihren ersten eigenen Gottesdienstraum konnte die Gemeinde am 1.12.1963 in einem ehemaligen Lebensmittelgeschäft in der Kleinen Krauthöferstraße einweihen. 1968 zeichnete sich jedoch ab, dass die Gemeinde erneut umziehen muss. „Unser Gemeinderaum befindet sich seit kurzer Zeit mitten auf einem Baugelände, wo keine Menschenseele mehr hinkommt. Ringsherum werden die Häuser abgerissen. Alles ist abgesperrt. Wie nicht anders zu erwarten, wird uns der Raum in der Kleinen Krauthöferstraße gekündigt. Vom Rat der Stadt Neubrandenburg wird uns ein anderer Raum zugewiesen. Auf dem Grundstück An der Linde 9a steht ein Gärtnerhaus, aus dem man etwas machen könnte. Es wird geplant, das Gebäude zu kaufen oder, falls dies nicht möglich ist, langjährig zu pachten. Noch ist das Haus allerdings bewohnt, so dass wir uns gedulden müssen.“ Der Um- und Erweiterungsbau An der Linde beginnt im Herbst 1969 und am 9.8.1970 wird die Christus-Kapelle durch Bischof Armin Härtel eingeweiht. Anstelle der Vierteljahreskonferenz konstituiert sich am 7. April 1968 die 1. Bezirkskonferenz in Neubrandenburg unter Vorsitz von Sup. Gotthard Falk. Höhepunkte im Gemeindeleben sind 1968 die beiden Evangelisationswochen: im Mai mit Pastor Siegfried Weigel und im Oktober/November mit Pastor Karl-Friedrich Siebert. Während der Durchschnittsbesuch in den Gottesdiensten und Bibelstunden bei 14 Personen liegt, mit einem Höchstbesuch von 29, beträgt die Höchstzahl während der Evangelisation 52 Besucher.

1978

Über 30 Jahre war die Neubrandenburger EmK-Gemeinde in der Christus-Kapelle zu Hause, welche am 9. August 1970 durch Bischof Armin Härtel feierlich eingeweiht wurde. Als Nachfolger von Siegfried Rex, dessen unermüdlicher Einsatz für den Kapellenbau sicher vielen noch in Erinnerung ist, war von 1972 bis 1981 Martin Jordan Gemeindepastor. In seine Amtszeit fällt auch der Umzug des Pastorats an den „Ring“, ab Mai 1977 war es An der Linde 7 (= Friedr.-Engels-Ring 37) zu finden. Immer mehr hatte sich bemerkbar gemacht, dass die Durchführung der Kindergottesdienste im durch eine Faltwand abgetrennten Nebenraum der Kapelle nur eine Notlösung darstellen konnte „Um im Gottesdienst Störungen zu vermeiden, müssen die Kinder äußerst still sein. Es können keine Sprüche gemeinsam gesprochen oder Sonntagsschullieder gesungen werden“ (Vorstandsprotokoll vom 25.11.1977). Daher wurde 1978 die im hinteren Teil der Kapelle gelegene Garage zu einem Kinder- und Bibelstundenraum umgebaut. Für die Unterbringung des Autos (ein über „Genex“ bezogener Trabant) wurde neben dem Pastorat eine Fertigteilgarage aufgestellt. Am 4.6.1978 leitet Matthias Jordan den Jugendgottesdienst und stellt sei- ne erste Pre- digt unter das Wort „Ich sende euch, wie mich mein Vater gesandt hat“ (Joh. 20,21 ff.). Die Evangelisation mit Pastor Bräutigam vom 30.10. bis 5.11.1978 besuchen durchschnittlich 41 Personen, neben Gemeindegliedern hauptsächlich kirchenfremde Menschen. Zu den Gottesdiensten treffen sich jetzt sonntäglich 29 Erwachsene, zu den Bibelstunden etwa 13. Die Hauskreise Oststadt und Schwedenstraße haben 6 bzw. 10 Besucher. Der kirchliche Unterricht verläuft in Gruppen mit insgesamt 11 Kindern.

1988

Seit Pastor Johannes Zuther 1981 seinen Dienst in Neubrandenburg antrat, erklang des Öfteren Flötenmusik im Gottesdienst, denn seine Frau Renate begann mit dem Aufbau eines Blockflötenkreises. Ebenso bereicherte der Jugendkreis mit seinen Liedern die Gemeindeveranstaltungen. In der Karwoche führten die Jugendlichen ihre alljährliche Fastenaktion durch mit abendlichen Andachten und einem Schlussabend mit der Gemeinde am Karsamstag. Außer den üblichen Fest- und Familiengottesdiensten (Karfreitag, Ostern, Pfingsten, Erntedankfest, Ewigkeitssonntag, Advents- und Weihnachtszeit) gab es 1988 einige besondere Gemeindezusammenkünfte. Dazu gehörten 4 Gemeindeabende mit den ehemaligen Gemeindepastoren Kapries, Ott und Bambowsky in der Jubiläumswoche im Juni, ein Gemeindenachmittag in Wort und Bild zur 40-jährigen Gemeindegeschichte von Gemeindevertreter Eberhard Raedel, „ein weiterer Gemeindeabend mit ökumenischen Gästen und unserem Bischof Dr. Rüdiger Minor, der in seinem Vortrag die lutherische Rechtfertigungslehre dem methodistischen Heiligungsverständnis gegenüberstellte sowie der Festgottesdienst am Sonntagvormittag mit einer Predigt des Bischofs über Gemeindewachstum“, berichtete Pastor Zuther. Eine seine Amtszeit prägende Tradition waren die jährlichen Familiengottesdienste zum Schul- und Lehrjahresbeginn. 6 Gäste aus unserer Partnergemeinde Berlin-Schöneberg, zu der seit 1978 Kontakte bestehen, waren am 4. September 1988 dabei. Pastor Benno Bertram sprach über das Jesuswort „Lernet von mir“. Zum Mittagessen waren die Berliner in Gemeindefamilien eingeladen. Am Nachmittag war man bei Kaffee und Kuchen nochmals in der Christus – Kapelle beisammen. Zum Gemeindebezirk gehörten damals 36 Kirchenglieder. Die Gottesdienste wurden von durchschnittlich 30 Personen besucht.

1998

„Von Liebe bewegt“ lautete das Festmotto, mit dem die Gemeinde ihr 50-jähriges Bestehen feierte. Zum Auftakt predigte am 15. März Superintendent Hans Michalski aus Berlin. Es folgten drei Abende zur Jahreslosung mit Pfarrer i. R. Gerd Bambowsky, der 1959 – 1963 hier Pastor war. „Kinder helfen Kindern“ hieß es am Sonntag, 29. März, im Familiengottesdienst zum Thema „Hoffnung für Westafrika“. Er reiht sich ein in die vielfältigen Familiengottesdienste unter Leitung von Matthias Zehrer. Ende April stattete Ingo Stauch, Redakteur der Kirchenzeitschrift „unterwegs“, der Gemeinde einen Informationsbesuch ab und hielt auch die Predigt im Gottesdienst („Unterwegs wie die Jünger von Emmaus“). Den Höhepunkt und Abschluss des Jubiläums bildete die Festwoche vom 28. Juni bis 5. Juli mit ehemaligen Gemeindepastoren und deren Frauen, einem Abend der Chronik, dem Konzert des Handglockenchores aus San Angelos/Texas (in der Friedenskirche), einem Kammerkonzert von Gitarrenschülern der Musikschule und schließlich der Vortragsabend so wie der Festgottesdienst mit Bischof Dr. Walter Klaiber. Im August/September entwickelte die Gemeinde viele Aktivitäten bei der Renovierung der neuen Pastorenwohnung Juri-Gagarin-Ring 4 wie auch des alten Pastorats Fr.-Engels-Ring 37, denn es stand ein Pastorenwechsel an. Am 6.9. führte Sup. Hans Michalski Pastorin Christine Guse in ihr neues Amt ein. Sie predigte über Lukas 7,36–50. Zum Ende des Kalenderjahres hatte die Gemeinde 27 Kirchenglieder und 16 Kirchenangehörige. Die Gottesdienste besuchten durchschnittlich 24 Erwachsene und 9 Kinder.

2008

Seit dem 7. April 2002 sind die Neubrandenburger Methodisten nun in der 2. Werderstraße 8 zu Hause. In einem Umzugsgottesdienst hatte die Gemeinde Abschied genommen von der sanierungsbedürftigen Christus-Kapelle und war in das jetzige Gemeindehaus gezogen. Ab 31.1.2008 werden die kleinen Räume im Erdgeschoss – Fußboden und Wände – renoviert, so- dass nach dem „Winterputz“ das Gemeindehaus in frischem Glanz erstrahlt, als am 17.2. die lutherischen Christen aus der Friedensgemeinde mit ihrem Chor zu Gast sind. Den pastoralen Dienst teilen sich Beate Gläfke (Laienpredigerin mit Dienstzuweisung bzw. Lokalpastorin, 2003–2012) und Burkhardt Hübner aus Stralsund (2004–2015). Anlässlich ihres 60-jährigen Jubiläums freut sich die Gemeinde am 9.3.2008 über den Besuch von Bischöfin Rosemarie Wenner, die in der Predigt zum Säen des Samens der Liebe in der Nachfolge Jesu ermutigt, und über die Gemeindeband Beatlehem mit ihren neuen T-Shirts. Begeistert von Beatlehem sind auch die Gäste aus dem kali fornischen Visalia (USA) beim Begegnungsabend am 14.3. Nach einem Kurs-Nachmittag „Ein Ja finden“ werden zwei Jugendliche am 29.6. in die Kirchengliedschaft aufgenommen. Ein Wochenende mit Singen, Basteln & Übernachten verbringen die Kinder im Juni im Gemeindehaus. Zusammen mit der Partnergemeinde Berlin-Friedenau/Schöneberg wird am 21.9. Gemeindefest gefeiert, ein Konzert von Beatlehem beschließt das Fest. Zum Erntedankfest erscheint Moses Schwester Mirjam, die Sonntagsschulkinder führen ein Anspiel über das Wachsen des Reiches Gottes auf. Der Hauskreis Ost gestaltet am 26.10. einen Gottesdienst zum Thema „Luther, die Reformation und wir“. Im November gibt es eine Lektorenschulung mit Sup. Christian Voller-Morgenstern und in der Adventszeit eine Engelausstellung, die von Gemeindefamilien zusammengetragen wurde. Zum Jahresende hat die Gemeinde 29 Kirchenglieder und 18 Kirchenan-/-zugehörige bei einem durchschnittlichen Gottesdienstbesuch von 24 Erwachsenen und 5 Kindern.